Die Geschichte der Ahremer Mühle

Am Ortsausgang in Richtung Friesheim liegt inmitten von Wiesen am Mühlenbach die ehemalige Getreidemühle des Dorfes, eine dreiflügelige Hofanlage, die sich zum Bach hin öffnet.
Um 1780 wurden das zweigeschossige Wohnhaus und das Mühlenhaus in einfacher Ständer- und Riegelfachwerkbauweise errichtet. Die mit Backstein gemauerten Wirtschaftsgebäude stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Die Überbauung des Wasserrades und des Baches geschah in den 1920er Jahren, als auch neue Stallungen errichtet wurden. Das Antriebsrad des Mühlrades ist noch im Mühlenhaus erhalten.

Die Hofanlage wurde in den letzten Jahren umfangreich restauriert, um den heutigen Lebensansprüchen gerecht zu werden. Die Gefache wurden mit Feldbrandsteinen ausgemauert und die Traufwand des Hauses massiv aus Backstein erneuert. Die Fenster wurden über die Gefache hinaus vergrößert.
Trotz der Veränderungen blieb insgesamt der Charakter der alten Hofanlage gewahrt.

Die Getreidemühle wird in einer erzbischöflichen Steuerliste, die um 1293 zusammengestellt wurde, als Mühle genannt »Mike« zum ersten Male erwähnt.

Im Jahre 1371 war Wilhelm von Ahrem vom Erzbischof mit der Mühle belehnt, doch nur wenige Monate später war sie im Lehns-besitz der Familie Voß von Lechenich. Deren Erben, die Hase von Konradsheim, zahlten für das Mahlrecht eine jährliche Abgabe von 12 Malter Roggen und ein Sümmer Weizen an die Kellnerei in Lechenich, die der Müller der Hase in Ahrem liefern mußte. Dafür duldete der Kurfürst, daß die Ahremer auf der Mühle der Hase in Ahrem mahlen ließen. Als im 17. Jahrhundert die Abgaben des Müllers jedoch ausblieben und das Haus Konradsheim einen Mühlenzwang für seine Mühle in Ahrem forderte, wurde ihm dieser vom Kurfürsten nicht gewährt. Der Kurfürst bestand darauf, daß die Ahremer als Angehörige der Lechenicher Bürgerschaft auf den erzstiftischen Mühlen in Lechenich mahlen ließen.


In einem Vergleich zwischen dem Kurfürsten und dem Hause Konradsheim wurde festgelegt, daß die Mühle zu Ahrem an den Kurfürsten fiel und von der kurfürstlichen Kellnerei in Lechenich verpachtet wurde. Dafür wurde das Dorf Konradsheim aus dem Lechenicher Mühlenzwang entlassen und durfte auf der Mühle der Hase von Konradsheim, die in Dirmerzheim lag, mahlen lassen.

Von 1627 bis zur Säkularisation war die erzstiftische Mühle in Ahrem Bannmühle für das Dorf Ahrem, das bedeutet, daß die Ahremer Einwohner auf der Ahremer Mühle mahlen lassen mußten. Weiter war die kurkölnische Hälfte des Dorfes Pingsheim verpflichtet, auf der Ahremer Mühle mahlen zu lassen. Die übrigen Pingsheimer Dorfbewohner, die zum Herzogtum Jülich gehörten, ließen auf der Nörvenicher Mühle mahlen. Auch die Erper ließen in Ahrem mahlen. Hierfür mußte der Müller dem Grafen von Manderscheid und Blankenheim, dem die Unterherrschaft Erp gehörte, Pacht zahlen. Nachdem der Graf 1640 durchgesetzt hatte, daß die Erper nur noch die Wahl hatten, entweder in Ahrem oder in Müddersheim mahlen zu lassen, nutzten die Erper die Ahremer Mühle kaum noch., Daher wurden die Pachtabgaben des Ahremer Müllers von der kurfürstlichen Hofkammer reduziert.

Im Jahre 1642, während der Belagerung Lechenichs im Dreißigjährigen Krieg, wurden Haus und Mühlenhaus, die der Müller bei seinem Pachtantritt auf seine Kosten hatte reparieren lassen, von feindlichen Soldaten überfallen und stark beschädigt. Die Familie wurde ausgeraubt, alle Papiere wie die Pachtverträge und Quittungen der Kellnerei über abgeliefertes Getreide weggenommen. Der Müller wurde in Liblar von den feindlichen Soldaten getötet und von Pferden zertreten. Kurz nach ihm starb seine Frau. Die mittellosen Kinder, die noch mit Schulden von den Reparaturen der Mühle belastet waren, wurden von Verwandten aufgenommen.

Seinem Nachfolger gelang es im Jahre 1689 vor dem Abzug der französischen Truppen aus Lechenich, die Mühle vor dem angedrohten Brand und der angedrohten Plünderung durch eine Zahlung von 25 Reichstalern freizukaufen. Das Geld hatte er in Erp geliehen und am frühen Morgen des 21. April 1689 den Franzosen kurz vor derem Abzug auf dem Schloß in Lechenich abgeliefert.

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Jahrpacht der Mühle von 32 Malter Roggen in eine Geldpacht von 100 Reichstalern um-gewandelt. In späteren Jahrzehnten wurde die Mühle jeweils auf 12 oder sechs Jahre an den Meistbietenden verpachtet. Um in der Pachtung der Mühle zu bleiben, boten die Müller mehr als sie bezahlen konnten. Häufig mußten sie die kurfürstliche Hofkammer um Pacht-nachlaß bitten. 1767 wurde die Jahrpacht wieder von 200 Reichstalern auf 100 Reichstaler herabgesetzt. Bei den letzten Verpachtungen 1770 und 1782 zahlten die Müller 124 Reichstaler.

In den Jahren 1778 bis 1782 wurden ein neues Wohnhaus errich-tet, weil das alte so baufällig geworden war, daß sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Bei der Abrechnung mußte sich der Architekt, dessen Bau teurer als geplant geworden war, vor der kurfürstlichem Hofkammer in Bonn rechtfertigen. Er erklärte, daß der Kostenvor-anschlag, der auf 449 Taler lautete, nicht eingehalten werden konnte. Durch den nicht vorgesehenen, doch notwendigen Neubau einer Scheune waren die Baukosten auf 665 Taler gestiegen. Dazu kamen die zahlreichen erbrachten Eigenleistungen des Pächters Moll, die noch zu verrechnen waren.

Unter französischer Verwaltung wurde die Mühle in der Säkularisation als geistlicher Besitz enteignet. Im Jahre 1807 wurden Haus, Hofgebäude, Mühle und eine dazugehörige Bäckerei verkauft. Seitdem ist die Mühle in Privatbesitz. Ende des 19. Jahrhunderts ließ der damalige Besitzer die Mühle modernisieren. Die Mühle, die nach dem Besitzer »Giesens Mühle« genannt wurde, war bis 1917 Getreidemühle, die auch Weißmehl produzierte. Danach war sie als Schrotmühle bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb.

Die Erben des letzten Müllers ließen in den 1950er Jahren das Wohnhaus modernisieren, nachdem der Mühlenbetrieb wegen Unrentabilität eingestellt worden war. Ein Teil des Mühlrades, das Wasserrad, wurde Anfang der 1980er Jahre abmontiert. In diesem Zeitraum wurden die Gebäude an die Familie Schnell verkauft und umfassend restauriert, es folgte 1985 die denkmalpflegerische Aufnahme.

Mühle um 1900

Einblicke in die Vergangenheit

Historisches Bildmaterial

(folgen..)